Mein Jakobsweg 2019 .. .. der Weg ist das Ziel

Tag 01    4.5.2019: Saint-Jean-Pied-de-Port nach Roncesvalles 26,1km - über die Pyrenäen

Start bei 174m üN - höchster Punkt: 1422m üN - Ankunft und Übernachtung auf 944m üN in Roncesvalles (nachts kann es dort kalt werden)

Link zur Wanderung: Tour 01   Überquerung der Pyrenäe

 

26km  1390m  620m

Tour 01

 

Start 7:05 mit 10° Nebel etwas höher 

War ein schöner Ort hier in Saint-Jean-Pied-de-Pott. 

Viele Pilger sind hier auf dem camino. Meist zu zweit. 

Mit 4km/h geht es die Asphaltstraße stetig bergauf. Die Umgebung versteckt sich geheimnisvoll im Nebel. Wie aus Lautsprechern ertönen Vogelgesänge und Kuhglocken. 

Einige Berggipfel ragen bereits aus dem Nebel hervor. Das sieht für heute vielversprechend aus. Bild 7:52. 

8:10 nach 4km Jacke aus und Wanderstöcke an bei 9,5°.

8:38 nach 5,6km Trennung der Wege. 

9:22 auf 720m nach 7,2km noch 18,5km. Der Fuß tut dank Stöcke weniger weh

9:40 auf 793m nach 7,7km noch 18,2km

Essen: Coke, Käsebaguette für 6,5€

Schmerzen am Schienbein: dick und leicht rötlich. 

Ich denke ich habe den höchsten Punkt nun erreicht. Auf dem Berggipfel in der Nähe liegt noch etwas Schnee. Zum Glück muss ich da nicht noch höher rauf. Ich laufe also weiter leicht bergab und erreiche den Rolandbrunnen und die Grenze zu Spanien: bienvenido a españa

Jetzt gehts aber doch immer wieder weiter bergauf. Sind wir bald da? So langsam habe ich keine Lust mehr. 

Hier ist eine Schutzhütte. Da mache ich eine kleine Pause. Aus dem Kamin kommt Rauch. Wohnt hier der Almöli oder Ötzi? Zum Wohnen ist sie aber zu klein. Es ist eine Nothütte mit offenem Kamin. Hier wird man geräuchert. Schnell raus. Irgendein hirnloser hat ein Holzstück für Notfälle angezündet. Meine beiden Mitwanderer gehen schon mal weiter. Ich brauche noch ein bisschen. 

Ich gehe weiter und sehe da vorbe etwas Weißes. Es ist tatsächlich der Schnee den ich von weiterem sah. Nicht zu fassen. Das selfi hier hab ich mir jetzt verdient. 

Nach wirklich nun höchsten Punkt geht es sehr steil von 1500 auf 900m herab in ca 6km. Bei Regen ist dieser Weg wohl unmöglich begehbar: Steine, Geröll, Matsch. Bei Regen müssen sich hier Mensch und Wasser den Weg eben teilen. 

Mein Problemfuß und ich wollen nicht mehr. Ich überlege so bei mir: wenn jetzt ein Schild kommt mit der Aufschrift „Brauhaus 3.0“ , kehre ich hier ein und stehe heute nicht mehr auf. Werd doch mal Komasaufen ausprobieren. Leider - oder besser: zum Glück kam kein Schild. 

Komischerweise sind hier nur noch wenige Pilger Unterstützung. Meist ältere und sehr langsam laufende. Oh hab mich grad selber erwischt. 

16:15 Ankunft in riesigen Herberge in Roncesvalles. Eine lange Schlange vor dem Pilgerbüro guckt mich an. Ich gucke zurück und meine dass die Schlange hier sehr lange sei. Dann wurde mir aber gesagt wie lange sie vorher war als mehr Pilger ankamen, die besser laufen konnten. 

17:00 endlich im Schlafsaal. Ein langer Schlauch mit 14 Betten Mir wurde ein Bett oben zugewiesen. Ohne Leiter erfordert das Hochklettern und insbesondere das Runtersteigen etwas Akrobatik. Hab irgendwie Angst meinem Untermieter aufs Gesicht zu treten. Wohin nur mit dem Rucksack und dem Inhalt?

Um zu den „sanitären Einrichtungen“ zu kommen muss man durchs Nachbarzimmer. Also in Summe auf knapp 30 Menschen kommen 2 „Duschen“, 2 WCs (eines ohne Licht) aber immerhin 3 Waschbecken. Natürlich für alle Geschlechter gemeinsam zu nutzen (weiblich, männlich und keine Ahnung was sonst noch). 

Ich dusche erst später - hab ich beschlossen. Es dauert sonst zu lange. Zuerst auspacken aufs Bett und Fußpflege. Und rufe mal zuhause an. 

Endlich in der Dusche. Hab noch soviel Schimmel auf einmal gesehen. Nur im TV. Wohin mit den Sachen? Am Boden 1cm Wasser, 1 Haken an de Tür, kein Hocker oder so. Beim Umziehen kam ich mit einem Fuß auf dem Boden. Der Socken ist nass. In der Dusche liegt das Ende vom Brauseschlauch - der Kopf daneben. Egal Duschkopf ist purer Luxus - geht auch so. Immerhin ist das Wasser warm. Das Anziehen hier ist noch schwieriger. Hab daher beschlossen ab langer Hose abwärts draußen weiter zu machen. 

Abendessen gibts für uns erst um 20:30. Hab zum Glück vorgesorgt und Kekse und Nüsse rumgeschleppt. Das war nicht unnötig. 

Draußen setzte der angekündigte Regen ein. Zum Glück nicht auf dem camino (ist spanisch und heißt Weg). Das war okay, wenn man keine Ansprüche oder Hunger hat. Vorspeise war Suppe oder Pasta. Hatte (leider) Suppe gewählt. Sie war grün. Keine Ahnung was das war. Sowas hatte ich noch nie. Hab alles tapfer gegessen. Mein Magen war eh schon zusammengeschrumpft (Thomas Schr.: war keine Anspielung). Der Fisch war sehr lecker. Die wenigen Kartoffelscheibchen hab ich mir gut eingeteilt. Um ca 21:30 sollten wir aufsteigen und gehen. Aber den guten Rotwein hier lassen wir nicht einsam zurück. Also „hau wech die Sch.“

Schnell Zähne putzen und ins Bettchen. Kurz nach 22:00: Licht aus. 

Ich suche suche noch nach einer schneearmen Position und höre wie sich andere sich selbst und uns in den Schlaf singen. Es klingt so ähnlich wie wenn sich Esel die Nase putzen oder Holz sägen. Ein besonders originelles Geräusche kommt wohl von U-Boot wenn das Sonar auf den Feind trifft. Ich denke da an „Das Boot“ pfiiep - pfiiep - pfiiep. Nach geschätzten 4h Wendemanöver und immerhin 4h Schlaf klingen die ersten Wecker wie eine Erlösung. Ich bleibe aber noch etwas hier liegen und genieße die Unruhe unter mir. Erstens hab ich nicht eilig da ich heute kürzer laufen werde und zweitens weiß ich nicht wie ich runterkommen soll. Ist alles voll da. Also ordne ich hier oben mal alles vor. 

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