Mein Jakobsweg 2019 .. .. der Weg ist das Ziel

Tag 11   14.5.19 Azofra nach Granon in 22km

Link zur Tour:  Komoot_Link_fehlt_noch

22 km 360 m  180 m

Mein Freund Pedro ist auch grad hier eingetroffen. Er geht weiter. Und ich frühstücken. 

5,50€ Frühstück mit Ei

8:25 los

Kurz nach dem Ort eine Weggabelung. Es gibt keine Hinweise, da beide Wege gleich lang sind. Habe mich für den linken entschieden. Ist geschottert. Der andere geteert und führt an der Autobahn vorbei. 

Prompt hat mich ein Entgegenkommender Eingeborener angesprochen, dass das hier nicht der camino official ist. Weiß ich selber. Aber in meinem Pilgerbuch stand: es gibt hier zwei gleichwertige Varianten. Diese ist schöner und es hat hier weniger Ausländer/Pilgerer. Ist jetzt schon sehr warm. 

Allerdings muss man hier ein Stück an der Straße entlang. Nächstes mal nehme ich deshalb den camino oficiale. 

Streiche bitte den letzten Satz. Hier ist es sehr schön. Ein Weingärtner spritzt gerade seine Weinstöcke. Winkt mir zu. Ich winke freundlich zurück. Jetzt steigt er aus und kommt zu mir. Er will mich auf den rechten Weg zurückbringen. Komme mir vor, wie das verlorene Schaf. Ich solle bei der nächsten Gabelung abbiegen, um zum camino zu kommen. Wahrscheinlich weiß er nicht, dass ich bewusst diesen Weg gewählt habe. Da kommt mir ein Lied in den Sinn: on my way to heaven I should not be moved. Bitte jetzt mal weghören: ich fange gleich an zu summen. Du auch? Ich bin ja ganz alleine. Aber beim summen blieb es nicht. 

Nun reihe ich mich wieder in der langen Pilgerschar ein. Schweigend kämpft sich die Masse den Hügel hinauf. 

Sauheiß: kurzärmelig und Sonnenschirm. Mit so einem schönen Schirm hat man auf einmal ganz viele neue Freunde. Alle lächeln einem freundlich zu. Ich lächle freundlich zurück und setze meinen Weg hier im Dauerschatten unbeeindruckt fort. Andere brutzeln in der Sonne. 

10:30 hab Pedro eingeholt nach 9,5km. Hab mich lange mit ihm unterhalten. Auslöser war ein dummer Spruch von mir, als der Weg vor uns nach oben ansteigt und dahinter nichts zu sehen ist. Links und rechts eine wunderschöne grüne Landschaft und dahinter ein sowas von blauer Himmel. Nun mein Spruch: it seams that this way goes directly to heaven. Because he endet in the horizont. 

Auf deutsch: es sieht so aus, als ob dieser Weg direkt im Himmel (Paradies) endet. Weil er direkt im Horizont endet. 

Er hat mich gefragt, warum Leute den camino laufen. Viele machen das ausschließlich aus sportlichen Gründen. Wir stellten fest, dass es bei uns beiden nicht so ist. Als Spanier ist er wie 95% katholisch. Wir waren uns weiterhin einig, dass Jesus der einzige Weg zu Gott ist. Zur Erinnerung der Einstieg war heaven (Paradies). Und das Jesus allein genügt. Dann kam Santiago = Jakobus ins Spiel und dass seine Gebeine im Jahre 1000 gefunden wurden. Ausgerechnet dann, als die Moslems in Spanien die Oberhand gewannen. Und der Bischof damals mit diesem „Trick“ Spanier, Franzosen, Alemannen dazu bewegen konnte gegen diese zu kämpfen und besiegen. Die Gebeine wurde dort gefunden, wo vor dem Jahre 0 ein Komet einschlug. Die Spanier lieben solche alten Geschichten und Sagen. Manche hören sich sehr schräg an. In der Kathedrale im Ort Santo Domingo sind oben Hühner zu sehen. Also in der Kathedrale! Rechts unterhalb vom Altar gibt es einen Sakrophag. Ich erklärte ihm dann, dass wir eigentlich keine schrägen alte Geschichten, keine Schutzpatronen, keine Heiligen und keinen Papst brauchen, um zu Gott zu kommen. Jesus allein genügt, waren wir uns zuvor einig gewesen. Heilig bedeutet doch zu Gott gehörend (den 7. Tag heiligen, heilige Bundeslade, Tempel..). Christen sind also alle automatisch heilig - auch Segen vom Papst. 

Er sagte mir dann, ob ich wüsste dass Jesus Harfe gespielt hat. Ich schluckte, überlegte und sagte: das habe ich bisher in der Bibel noch nicht gelesen. Doch als Kind vor dem ersten Wunder (Wasser zu Wein). Als er mit 12 ausgebüchst ist und im Tempel war. Es gäbe da ein Buch/Internet, dass ich unbedingt lesen müsste, da dort noch mehr solche Geschichten stünden. Ich lehne ab und sage, dass mir die Schriften, die damals von den Apostelkonzielen als richtig beschlossenen wurden, genügen. Mehr brauchen wir nicht. 

12:15..13:00  Pause in Santo Domingo nach 14,4km. 

Hamburger 5€, kleines Bierchen 

Eintritt in die Kathedrale 3€ für Pilger. Sehr interessant dort. Auch Hühner oben im Fenster. 

14:20 Santo Domingo verlassen. Kein anderer Pilger in Sicht. Wahrscheinlich will keiner in der Sonne laufen. Ich auch nicht. Aber der Schatten folgt mir ja stets, wo immer ich hingehe. So ähnlich wie bei Lucky Luke. Ein Cowboy, der schneller zieht, als sein Schatten. 

15:30 in Granon in Albergue „Case de las Sonrises“ bei Ernesto. Hier gibt es keinen Stempel, nur in der Bar im Zentrum und keine Preise für die Übernachtung. Es gibt eine Spendenkasse. Hier soll jeder etwas einlegen, was er für angemessen hält. Abendessen und Frühstück gibt es auch. Keine Ahnung wann, was oder wie. Ich habe das 5er Zimmer gleich neben der Eingangstür dem Schlafsaal im DG vorgezogen. Ein dünner Vorhang trennt uns vom Flur. Zwei italienische Radler kamen dazu. Wir fanden keine gemeinsame language (Sprache).